Trekking Tarsar Marsar Lake

Die 12 km lange Anfahrt nach Aru durch das schöne Flusstal ist fast ebenso stark befahren wie Pahalgam, glücklicherweise entfernen sich die indischen Großfamilien nie mehr als zehn Meter von ihrem Auto oder ertragen allenfalls einen schmerzhaften kurzen Ausritt per Pferd, und so sehen wir auf unserem Trek schon kurz nach Aru nichts mehr von ihnen.

Leider sind meine zwei Wandergenossen der gebuchten Tour ein Vater mit übergewichtiger Teenager Tochter aus Neu-Delhi, die zum ersten Mal im Leben zu Fuß in den Bergen unterwegs sind, jeder Schritt über das fremde Terrain aus Stein und Wiese ist fremd und will vorsichtig erprobt werden, am besten an der Hand unseres Bergführers. Außerdem haben sie allerlei Leiden wie Zahn- und Rückenschmerzen und ein Erkältung mitgebracht und jede Anstrengung ist eine Zumutung und wird ausreichend beklagt. Ich gehe meist eine halbe Stunde voraus und warte dann eine weitere halbe Stunde auf das ist Paar, so ziehen sich wenige Kilometer Weg bis zum Mittag hin.
Neben unserem Führer sind noch ein Koch mit Assistent und zwei Packpferde Teil des Teams. Vater und Tochter haben extra Großgepäck mit einem neuen Outfit für jeden der fünf Tage, ich nur eines in meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken. Zu Mittag stehen jeden Tag bereits aufgebaut zwei Kuppelzelte, ein großes Küchenzelt und ein extra Klozelt, die am nächsten Morgen wieder abgebaut und auf die Pferde geladen werden, was etwa zwei Stunden dauert. Gekocht wird zu Mittag und zu Abend, immer Reis mit Curry, wobei der Koch für alle möglichen Tätigkeiten immer den gleichen kleinen Küchenlappen verwendet, vor dem mir von Tag zu Tag mehr graut, besonders wenn vor dem Servieren die Teller damit abgewischt werden.

Die Landschaft aus mächtigen Flusstälern, stolzen Pinien und von hunderten Schafen, Ziegen, Pferden, Kühen und Büffeln Millimeter kurz abgegrasten Wiesen ist eindrucksvoll und seltsam vertraut, manche Orte heißen auch Mini-Schweiz. Auf unserem ersten Campingplatz, den Weiden von Lidderwat auf 3000 m Höhe herrscht eine magische Atmosphäre, die auch durch den Müll der Touristen, der durch die schwarzen Raben verteilt wird, nicht geschmälert und durch einen kurzen, heftigen Hagelsturm noch verstärkt wird. Stundenlang kann ich die Nomaden, die hier in Zelten oder einfachen Hütten aus Holz und Erde den Sommer verbringen, und deren Kinder, die wegen Süßigkeiten bei uns vorstellig werden und ihre Tieren, besonders die langhaarigen, neugierigen Ziegen beobachten.

Ein kurzer Aufstieg führt uns am nächsten Tag nach Shekwas und am Tag darauf zum See Tarsar auf knapp 4000 m Höhe. Dort ist es entsprechend kühl und es regnet, wir verbringen einen langen Nachmittag in den Zelten und beherbergen für einige Zeit eine große Gruppe Einheimischer, die ohne Regenjacken bibbernd bei uns auftauchen.

Die anstrengende Passüberquerung zum See Marsar und zurück unternehme ich alleine mit unserem Guide, am selben Tag steigen wir wegen des unbeständigen Wetters und den kränkelnden Indern wieder ab bis Lidderwat, eine lange Tour von über 20 km.

Leider haben Vater und Tochter genug vom wandern und so geht es am letzten Tag bereits zurück ins schreckliche Aru, das weil nur 10 m von Straße und Parkplatz entfernt, von den indischen Touristenmassen gründlich umgepflügt und vermüllt ist. Eine israelische Gruppe ist zu Pferd unterwegs, die Frauen in Bikini und Minirock, was für ein krasser Gegensatz zu den Kaschmiri Mädchen, die bereits von klein auf mit Kopftuch oder sogar Gesichtsschleier bekleidet sind.

Zurück in Pahalgam, diesmal in einem geringfügig angenehmeren Guesthouse, werde ich von anderen Gästen ausdauernd ausgefragt, das passiert mir hier mehrmals täglich und immer sind die Fragesteller fassungslos, dass ich alleine unterwegs bin und unverheiratet, ohne eigene Familie, wo ich doch schon so alt bin! Inzwischen beende ich so manches Verhör unhöflich, Individualismus trifft hier schlicht auf Unverständnis.