19.04.-27.04.2004, new york city

morgens fahrt durch den holland tunnel zur autovermietung in manhattan. die rückgabeprozedur dauert dank der üblichen inkompetenz etwas länger. mit etwas wehmut verabschiede ich meinen 10-wöchigen fahruntersatz (knapp unter 9000 meilen geblieben). mein erster ausflug führt mich in den central park. ein besonders schönes pinienzapfenexemplar, bei big sur am pazifik aufgelesen, bette ich unter einem nadelbaum im park zur ruhe. dabei entdecke ich ein starres gebilde im wasser, das sich als aneinanderreihung von etwa 20 schildkröten entpuppt. anschliessend guggenheim museum (minimal-conceptual ausstellung). little italy, chinatown, bowery, lower eastside. ein verrückter sportplatz mit black und asian kids und chinesischen alten zuschauern. treffe mich mit rob und suzanne im thai-restaurant, anschliessend noch ein cocktail.

am nächsten morgen zuerst einen überblick vom empire state building, wieder tolles wetter. am time square ins international center for photography, miserable ausstellung. der naked cowboy posiert nur, gitarre spielen kann er nicht. im b&h fotogeschäft arbeiten ausschliesslich orthodoxe juden, ein gondelsystem karrt die waren durch das ganze geschäft.
dann mit dem zug nach brooklyn, coney island, am strand entlang nach brighton beach, viele russische geschäfte mit kyrillischen schildern (no english!). hotdog bei nathan's famous. brooklyn bridge, zu fuss über die manhattan bridge zurück nach manhattan. ein japanisches filmteam filmt tiefflüge eines helikopters. erst spät zurück, viel fotografiert.


21.04. ground zero grossbaustelle. alle spuren der katastrophe beseitigt, ein einzelnes betonstück mit verbeulter stahltür. daneben im financial district wall street unter bewachung, geschäftigeroutine. eine handvoll demonstranten laufen hinter absperrgittern im kreis. im whitney museum ist gerade die biennale. nach vier stunden bleibt vor allem erschöpfung.

am nächsten tag mehr kunst. galerietour mit suzanne in soho, tribeca, chelsea. earthroom von walter de maria, sonst sehr gemischt, viel trash. abends treffen wir wieder rob zum abendessen im 50s diner, alle sind ziemlich k.o.

morgens gehts ins metropolitan museum, riesig. wähle mir die gemäldesammlung aus und eines der highlights, ein ägyptischer tempel. am nachmittag treffe ich suzanne in ihrem maleratelier und wir führen die galerietour von gestern fort. abends treffen wir rob in einem sehr guten mexikanischen restaurant. auswärts essen scheint hier normalität.

samstag streune ich durch harlem. viele kirchen und in zwei stunden nur drei bleichgesichter. trotzdem kein gefühl von unsicherheit. mit schmerzenden füssen noch zum flatiron, dem ersten wolkenkratzer am madison square garden.gerate in ein grosses treffen amerikanischer sikhs, farbenfroh aber gedrängt. am abend bin ich eingeladen zum hummeressen, anlässlich meines morgigen geburtstags. eine fantastische sicht nördlich von hoboken auf manhattan. mein erster hummer tut mir zwar leid, schmeckt aber gut.

besinnlicher geburtstag. spaziere erst durch jersey city, dann nehme ich die rundfähre nach liberty island (die statue of liberty bisher noch gesperrt) und weiter nach ellis island, der einwanderungsinsel. interessante ausstellung, aber vor der renovierung 1984 muss die insel wesentlich eindrucksvoller gewesen sein.

am montag fahre ich noch nach queens, wohin das moma temporär verlegt wurde. dieter roth retrospektive, sehr eindrucksvoll, und eine feine auswahl der ständigen sammlung. anschliessend zweiter teil der roth show im ps1 in long island city, queens. ein grosses kunstzentrum, unter den dortigen stipendiaten auch eine berlinerin. beim anschliessenden regenspaziergang am flussufer das pepsi-cola schild von hinten und vernebelter blick auf manhattan.


27.04., mein letzter tag in den usa. mache noch eine tour in den united nations. eine attraktive führerin aus dem senegal in landestracht, insgesamt eine muffige 50er-jahre atmosphäre mit seltsamen geschenken verschiedener länder in den fluren, ein friedenstauben-mosaik vom papst, eine iranische seidenteppich-porträtgalerie der generalsekretäre der un. eine not-p.c. flusslandschaft aus elfenbein aus china.
nahe central park noch besuch der frick-collection, tolle kunst-villa. durch den park (bluegrass-band) zum broadway. am time square interview mit jeff goldblum, 200 meter weiter eine kreischende teenie-masse und band. ich entdecke pandoras box (mit stars and stripes), sie bleibt jedoch verschlossen. dann nach jersey city.

rob fährt mich und mein voluminüses gepäck nach manhattan, von dort aus per taxi zum jfk airport. habe noch drei stunden bis abflug um 23:00 uhr und damit genug zeit um mein übergepäck mit verschiedenen british airways leuten zu diskutieren (erfolgreich).
ich kann kaum fassen, dass meine reise schon vorbei ist, aber die reflektion und die verarbeitung meiner fotografischen erkenntnisse wird noch lange andauern.