02.02.-08.02.2004, san francisco

montag flug berlin-london-san francisco. über nord kanada
liegt ewiges eis, dann die rocky mountains, columbia river (lewis und clark expedition). der beamte der einwanderungsbehörde: schwarze uniform, haare nass zurück, kaugummikauen im ein-sekundentakt. die abfertigung erfolgt schnell. der jetlag erwischt mich um 18:00 uhr, 3:00 oder 4:00 in deutschland.

in den ersten tagen viel organisieren und shopping: handy, foto-zeugs, karten und führer, internetzugang. ein verkäufer erklärt
mir den wert eines dime (10 cent) anhand einer komplizierten zeichnung, für die er beträchtlich zeit braucht. hohe mathematik ebenso beim fahrscheinkauf in der bart (s-bahn). geldeinwurf, dann schrittweise subtraktion um den gewünschten ticketpreis (tabellarische übersicht) zu erreichen, wobei das subtraktionslimit 2,10 nicht übersteigen darf, sonst: zuerst zum geldwechselautomaten. auch die stimme der zugansage gehört einem computer.

die fotogeschäfte in downtown betreiben wucher, der einzige profiladen ist in mission, dem mexikanerviertel im süden von san francisco, volles leben, bunte holzhäusschen und murals (wand-gemälde). viele homeless mit ihren auf einkaufswagen getürmten vermögen in müllsäcken.
am mittwoch in haight-ashbury, hippiezentrum der 60er/70er, grosse enttäuschung, der letzte hippie zufrieden bettelnd am strassenrand. vergeblicher versuch mit public transport zu den twin peaks zu gelangen, kapituliere nach ewigem herumirren, gelange dafür wieder nach mission, wo ich einen burrito esse, ein mexikanischer totschläger mit pampigem inhalt von mehreren kilo gewicht, ökonomisch interessant. zurück in market street, downtown entdecke ich einen neuen trend:
die namen der neuesten bekleidungsgeschäfte lauten anthropologie (mit ie) oder petite sophisticate.

am abend ein erster besuch des legendären city lights bookstore in north beach, zentrum und erbe der beatgeneration. ich gerate unabsichtlich in die lesung eines radical environmentalist (buchtitel: been brown so long, it looked like green to me), der zumindest die rhetorischen fähigkeiten seines spärlichen publi-kums von alt- und möchtegernbeats übertrifft.
im city lights finde ich hinweise auf spuren der beats, denen ich am nächsten tag nachgehe: besuch des berkeley uni campus, beeindruckend gelegen in wald und auf hügeln. dann in berkeley selbst unterwegs, die apartments von kerouac und ginsberg sind wohnblocks gewichen, die umliegenden niedlichen aber kleinen holzhäusschen lassen deren aussehen jedoch erahnen, dafür sehe ich einen zitronenbaum mit früchten, magnolien und schlüsselblumen blühen.

ein japaner im hostel hat im ausverkauf einen 4 kg schweren schinken für 9 dollar erstanden, von dem er sich die naechsten tage (wochen?) verpflegt.
freitag nacht im hostel ist weniger erfreulich. ein schottischer zimmergenosse aus dundee, der seinen schwarz verdienten wochenlohn versoffen hat, fällt um 3:00 uhr ins zimmer und kotzt auf den teppich. anschliessend schläft er (mit heruntergelassenen hosen) auf der kloschüssel ein und malträtiert uns mit übermenschlichem schnarchen bis zum morgen.

samstag morgen beobachte und filme ich tai-chi übungen auf dem washington square, north beach. in china town (heute ist der chinesische neujahrstag) ein motorisierter beerdigungszug mit funeral-police.
die mit allen superlativen angekündigte neujahrsparade am abend entpuppt sich als autokorso diverser politiker (senator, bürger-meister, staatsanwalt, polizeichefin, postdirektor). ausserdem beteiligt: diverse grund- und oberschulen, das rote kreuz mit dummy-beatmungspuppen-demonstration, musikkapellen und
ein paar chinesische drachen.

heute, sonntag, zum 11:00 uhr gottesdienst in die glide methodist church, alle rassen, konfessionen und sexuellen orientierungen werden willkommen geheisen, der wirklichkeit gewordene dream von martin luther king jr, dessen tochter die predigt (book-promotion) hält. im übrigen ein einziges soul-gospel-ereignis. während des gottesdienstes werden fächer und kleenex (taschentücher) verteilt, sowie eine kleine werbe-verkaufs-veranstaltung mit modeschau durchgeführt. am mittag downtown und black neighbourhood von oakland, partnerstadt san franciscos auf der anderen seite der bay und nochmal moma (museum of modern art) san francisco. morgen früh mit dem auto über die golden gate zum mount tamalpais und point reyes, amen (sprich: ey-man).