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montag
flug berlin-london-san francisco. über nord kanada liegt ewiges eis,
dann die rocky mountains, columbia river (lewis und clark expedition). der beamte
der einwanderungsbehörde: schwarze uniform, haare nass zurück, kaugummikauen
im ein-sekundentakt. die abfertigung erfolgt schnell. der jetlag erwischt mich
um 18:00 uhr, 3:00 oder 4:00 in deutschland.
in den ersten tagen viel organisieren
und shopping: handy, foto-zeugs, karten und führer, internetzugang. ein verkäufer
erklärt mir den wert eines dime (10 cent) anhand einer komplizierten
zeichnung, für die er beträchtlich zeit braucht. hohe mathematik ebenso
beim fahrscheinkauf in der bart (s-bahn). geldeinwurf, dann schrittweise
subtraktion um den gewünschten ticketpreis (tabellarische übersicht)
zu erreichen, wobei das subtraktionslimit 2,10 nicht übersteigen darf, sonst:
zuerst zum geldwechselautomaten. auch die stimme der zugansage gehört einem
computer. die
fotogeschäfte in downtown betreiben wucher, der einzige profiladen ist in
mission, dem mexikanerviertel im süden von san francisco, volles leben, bunte
holzhäusschen und murals (wand-gemälde). viele homeless mit ihren auf
einkaufswagen getürmten vermögen in müllsäcken. am mittwoch
in haight-ashbury, hippiezentrum der 60er/70er, grosse enttäuschung, der
letzte hippie zufrieden bettelnd am strassenrand. vergeblicher versuch mit public
transport zu den twin peaks zu gelangen, kapituliere nach ewigem herumirren, gelange
dafür wieder nach mission, wo ich einen burrito esse, ein mexikanischer
totschläger mit pampigem inhalt von mehreren kilo gewicht, ökonomisch
interessant. zurück in market street, downtown entdecke ich einen neuen trend:
die namen der neuesten bekleidungsgeschäfte lauten anthropologie
(mit ie) oder petite sophisticate.
am
abend ein erster besuch des legendären city lights bookstore in north
beach, zentrum und erbe der beatgeneration. ich gerate unabsichtlich in die lesung
eines radical environmentalist (buchtitel: been brown so long, it looked like
green to me), der zumindest die rhetorischen fähigkeiten seines spärlichen
publi-kums von alt- und möchtegernbeats übertrifft. im city
lights finde ich hinweise auf spuren der beats, denen ich am nächsten
tag nachgehe: besuch des berkeley uni campus, beeindruckend gelegen in wald und
auf hügeln. dann in berkeley selbst unterwegs, die apartments von kerouac
und ginsberg sind wohnblocks gewichen, die umliegenden niedlichen aber kleinen
holzhäusschen lassen deren aussehen jedoch erahnen, dafür sehe ich einen
zitronenbaum mit früchten, magnolien und schlüsselblumen blühen.
ein japaner im hostel hat im ausverkauf einen 4 kg schweren schinken für
9 dollar erstanden, von dem er sich die naechsten tage (wochen?) verpflegt.
freitag nacht im hostel ist weniger erfreulich. ein schottischer zimmergenosse
aus dundee, der seinen schwarz verdienten wochenlohn versoffen hat, fällt
um 3:00 uhr ins zimmer und kotzt auf den teppich. anschliessend schläft er
(mit heruntergelassenen hosen) auf der kloschüssel ein und malträtiert
uns mit übermenschlichem schnarchen bis zum morgen.
samstag
morgen beobachte und filme ich tai-chi übungen auf dem washington square,
north beach. in china town (heute ist der chinesische neujahrstag) ein motorisierter
beerdigungszug mit funeral-police. die mit allen superlativen angekündigte
neujahrsparade am abend entpuppt sich als autokorso diverser politiker (senator,
bürger-meister, staatsanwalt, polizeichefin, postdirektor). ausserdem beteiligt:
diverse grund- und oberschulen, das rote kreuz mit dummy-beatmungspuppen-demonstration,
musikkapellen und ein paar chinesische drachen.
heute, sonntag, zum
11:00 uhr gottesdienst in die glide methodist church, alle rassen, konfessionen
und sexuellen orientierungen werden willkommen geheisen, der wirklichkeit gewordene
dream von martin luther king jr, dessen tochter die predigt (book-promotion) hält.
im übrigen ein einziges soul-gospel-ereignis. während des gottesdienstes
werden fächer und kleenex (taschentücher) verteilt, sowie eine kleine
werbe-verkaufs-veranstaltung mit modeschau durchgeführt. am mittag downtown
und black neighbourhood von oakland, partnerstadt san franciscos auf der anderen
seite der bay und nochmal moma (museum of modern art) san francisco. morgen früh
mit dem auto über die golden gate zum mount tamalpais und point reyes, amen
(sprich: ey-man). |